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Rundbrief I: Dezember 2014

Autor: Jannes | Datum: 16 Dezember 2014, 10:55 | 1 Kommentare

(Der originale Rundbrief ist natürlich mit Bildern. Wer ihn haben will, einfach zu mir Kontakt aufnehmen und ich werde ihn dann per Mail versenden.)

 

Liebe Leserinnen und Leser!

Ich bin nun schon zwei Monate in Salatiga, Java/Indonesien, und ich kann behaupten, dass ich gerade wirklich dabei bin anzukommen. Bevor ich aber mit meinem Bericht beginne, stelle ich mich einmal denen kurz vor, die mich nicht so gut kennen. 
Ich heiße Jannes Görler. Ich bin 19 Jahre alt und komme aus dem beschaulichen Städtchen Fröndenberg/Ruhr in der Nähe von Unna in Nordrhein-Westfalen. Ich habe im Frühjahr mein Abitur gemacht und habe mich dazu entschieden, mich bei der Vereinten Evangelischen Mission für ein Freiwilliges Soziales Jahr in Übersee zu bewerben. Ich wurde glücklicherweise genommen und habe auch meine Wunschstelle hier in Salatiga bekommen. Ich bin wirklich froh, hier zu sein und dankbar dafür, dass ich diese, für mich wichtige Erfahrung mitzunehmen kann.


Abschied, Anfahrt, Ankommen

Am 12. Oktober ging es los.Es waren sehr komische und mit viel Gefühlschaos gefüllte zwölf Stunden Flug.Gerade eben erst hatte ich mich von der Familie verabschiedet, von der Freundin und den Freunden. Ich war noch traurig und konnte mich noch nicht wirklich auf das Neue und Unbekannte freuen, das vor mir lag. Ich konnte noch nicht sofort im Flugzeug fassen, dass ich von zuhause weg war und die lieben Leute daheim für 10 Monate nicht sehen würde. Das  konnte ich erst nach ein oder zwei Tagen begreifen, als ich in die neue Welt eingetaucht war. Das war schwer zu verarbeiten, doch die Stimmung pendelte sich dann doch rasch ein.Nach stundenlangen Filmeschauen und unnötig vielen Spielen am Bordcomputer kamen wir irgendwann in Singapur an. Die anderen fünf "Indonesien-Freiwilligen" und ich sollten dort fünf Tage verbringen, um dort unsere Visa zu bekommen.
Zunächst einmal sah der Flughafen aus wie jeder anderer auch. Doch man merkte sofort, dass man in eine andere Welt eingetaucht war. Wir bekamen alle problemlos unsere Koffer, nur unsere Abholperson ließ auf sich warten. Dank eines sehr netten Einheimischen konnten wir Nora anrufen, und sie kam dann doch noch nach ca. einer halben Stunde Wartezeit. Mit der U-Bahn sollten wir nun zu unserem Hostel kommen. Wir tauchten in ein perfekt strukturiertes Verkehrsnetz von U-Bahn und Bus ein - alles auf dem neusten Stand. Mit Prepaid-Karten checkten wir sozusagen in die jeweilige Bahn ein und wieder aus,  und der Fahrpreis wurde direkt abgebucht. Es war noch dazu überraschend günstig. Wir verfuhren in 5 Tagen quer durch Singapur für ca. 8€.
Direkt am ersten Tag machten wir uns auf den Weg zur indonesischen Botschaft und wurden promt zurückgeschickt. "Visa sind nur von 9 bis 12 Uhr zu beantragen." Also hieß es, am nächsten Tag wiederzukommen. Am nächsten Tag klappte es dann auch; unser Visum war beantragt. Nun mussten wir nur noch zwei Tage warten, um es abholen zu können. In der Zwischenzeit besuchten wir die Attraktionen Singapurs, wie zum Beispiel das "Schiffhochhaus" in Marina Bay oder einen Dschungel mit Hängebrücke über den Baumwipfeln, ein wenig außerhalb der Stadt. Unter anderem schauten wir uns auch die verschiedenen Stadtviertel an, wie z.B. Little India oder Chinatown.In dieser Stadt treffen so viele Kulturen aufeinander, dass es uns als fast unmöglich erschien, ein spezielles Charakteristikum herauszufinden. Singapur ist einfach eine hochmoderne multikulturelle Stadt, in der jeder seinen Platz findet.

Der Teil über unseren Aufenthalt in Singapur hätte noch viel länger seien könne, aber ich finde, dass mein Rundbrief sich eher auf Indonesien beziehen sollte als auf diesen längeren Zwischenstopp. Aber – er war wirklich schön. 

Nach einer Zwischenlandung in Jakarta kam ich am 17. Oktober in Semerang am Flughafen an und wurde von meinem Gastvater, einem Fahrer und einer Mit-FSJlerin mit dem Auto abgeholt. Nach ca.zwei Stunden Fahrt, meistens eher stockender Verkehr, kam ich endlich in Salatiga an, meinem Wohnort für die nächsten zehn Monate.

Mein Wohnort für ein Jahr

Ich wohne bei Ibu Paini (Ibu ist die indonesische Anrede für Frau, meistens gibt es keine Nachnamen sondern nur einen Vornamen) und Bapak Bowo (Bapak indonesisch für Herr) und deren Sohn Oness, 14 Jahre. Meine Gastmutter Ibu Paini ist in meiner Gemeinde GKJTU (auf Deutsch: Christliche Kirche Zentral Java) in Salatiga Generalsekretärin, und mein Gastvater schmeißt zuhause den Haushalt. Ich habe mein eigenes Zimmer, in das ich mich zurückziehen kann. Darüber bin ich sehr froh. Ich bin ein normales Familienmitglied und bin von daher in solche Dinge wie Wäschewaschen, Kochen und so weiter mit eingebunden. Ich fühle mich hier sehr wohl und habe mich dazu entschieden, hier das ganze Jahr wohnen zu bleiben. Es war nämlich erst geplant, dass ich nur für die Eingewöhnungzeit hier wohne und dann in ein Schülerwohnheim umziehe. Doch da es mir hier so gut gefällt, habe ich mir gewünscht hierzubleiben. Diesem Wunsch ist stattgegeben worden. 
In den ersten zwei Wochen meines Aufenthaltes hat auch noch Lena, eine Mit-FSJlerin hier gewohnt. Die hat sich dann aber dazu entschieden, in ein Schülerwohnheim umzuziehen. Also wohne ich nun sozusagen alleine in der Familie, was ich aber auch gut finde. In der Familie wird sich nur auf Indonesisch unterhalten, mit mir jedoch auf Englisch. Jetzt, wo ich langsam ins Indonesische reinkomme, wird es zuerst mit Indonesisch probiert und erst, wenn ich es nicht verstehe, auf Englisch, So kann ich mich langsam in die neue Sprache hineintasten. Mittlerweile verstehe ich schon einiges, aber ich kann mich noch nicht so gut ausdrücken, was aber - denke  ich -  noch kommen wird.Da ich nun zwei Monate hier wohne,  hat sich das Leben in der "neuen" Familienkonstellation schon eingespielt. Ich helfe öffters beim Kochen. Ich lasse mir indonesische Küche beibringen und zeige meiner Gastmutter im Gegenzug deutsche Klassiker wie z.B. Bratkartoffeln mit Speck oder Pommes rot-weiß. Das ist zwar nicht das Schwerste, aber einfach und lecker. Als ich das erste Mal Pommes gemacht habe, wurden die von meinem Gastbruder und seinen Freunden so schnelll verputzt, dass ich selber keine mehr abbekommen habe. Aber wenn´s denen schmeckt, dachte ich mir, ist das doch gut. Was mir super gefällt, ist,  dass es zu jeder Mahlzeit frisch gemachten Saft gibt. Egal ob Mango, Papaya, Sternfrucht oder andere Früchte. Alles, was das Herz begehrt.

In meiner Freizeit spiele ich gerne mit meinem Gastbruder und seinen Freunden Fußball. Ich lese viel oder verbringe Zeit mit meiner Gastmutter, die einfach immer für mich da ist. Ich kann auch einfach in die Stadt gehen, irgendwelche Dinge besorgen, oder mich auf meinen Roller setzen und irgendwo hinfahren. Mir wird auf alle Fälle nicht langweilig. Außerdem habe ich mich dem Universitäts-Basketballteam angeschlossen, da mein Bedürfnis Sport zu treiben auch hier vorhanden ist.
Ein Punkt zum Thema Roller. Ich bin einer der wenigen Freiwilligen, die mit einem Motorroller fahren dürfen, weil es hier einfach nicht anders geht. Meine Einsatzorte sind zum Teil so verstreut, dass man selbst mit dem Bus nicht hin kommt.

Mein Arbeitsbereich

Als ich eine Woche hier war und sich die Verantwortlichen mit mir zusammensetzten, um den weiteren Verlauf meines Aufenthaltes zu planen, erfuhr ich, dass ich wirklich erst in ein paar Wochen mit Arbeiten anfangen würde. Bis dahin hatte ich die sogenannten  "orientations-weeks", wie sie es nannten. Das hieß, ich fuhr jeden Tag in einen anderen Teil des Kirchenkreises, um alles kennenzulernen. So besuchte ich verschiedene Schulen und Kindergärten und kleine Gemeinden außerhalb der Stadt.Ich fuhr zum Beispiel an einem Tag zum Kindergarten hoch oben am Merbabu, einem erloschener Vulkan, höher als die Zugspitze. An dessen Fuß liegt die Stadt Salatiga. Das Dorf Cuntel, in dem der Kindergarten ist, liegt auf 1700 Meter über Null. Für mich war es ein aufregender Ausflug, weil es für mich das erste mal hoch an den Berg ging. Mit dem Motorrad meisterten wir die 1000 Meter Höhendifferenz. Oben erwartete mich einer der schönsten  Plätze Salatigas. Die stickige Wärme aus der Stadt war verschwunden, und es wehte ein  frischer Wind. Auch der Ausblick hinunter zur Stadt und über einen großen See hinweg war einfach großartig.  Das merkt man aber erst, wenn man mal dort oben war. Vorher war  ich der festen Überzeugung, dass in Salatiga die Luft schon echt gut und frisch sei. (Ist sie eigentlich auch, aber der Vergleich zählt halt).

Nachdem die zwei Wochen des Kennenlernens vorbei waren, sollte ich endlich mit Unterrichten beginnen.
Für mich ging es an die Mittelschule der Kirche. An der SMP (Indonesische Abkürzung für Mittelschule) in Getasan, einem Vorort von Salatiga, etwas den Berg hinauf, gibt es 6 Klassen, jeweils die 7te, 8te und 9te Klasse zweispurig. Ich sollte mich auf den Englischunterricht in den beiden 9er Klassen konzentrieren.  Darüber hinaus half ich beim klassenübergreifenden Sport- und Schwimmunterricht aus. Im Englischunterricht half ich zuerst dem Lehrer, doch durfte ich schnell eigene Teile des Unterrichts selber machen. Ich unterstützte die Schüler beim Englischlernen. Im Gegenzug brachten sie mir etwas Indonesisch bei. Es stellte sich aber heraus, dass ihre Begriffe nicht dem "Oxford-Indonesisch" entsprachen. Leider gingen die zwei Wochen viel zu schnell vorbei; denn ich habe mich dort sehr wohl gefühlt.Eigentlich sollte ich noch länger dort bleiben, doch es stand das "Youth for Peace Camp" an. Davon berichte ich weiter unten. Als das hinter mir lag, sollte ich die letzten drei Wochen in Kindergärten gehen. Ich entschied mich für einen Kindergarten in Tugu und einen in Cuntel, welchen ich bereits erwähnt habe.Der Kindergarten hier in Indonesien unterscheidet sich sehr von dem Kindergarten in Deutschland. Hier geht es nicht darum, dass die Kinder an die Schule herangeführt werden. Da man Vier- bis Sechsjährigen noch keinen ganzen Vormittag Unterricht zumuten kann (!), dauert der Kindergarten nur zwei Stunden, nämlich von 8 bis 10 Uhr.In der Zeit findet richtiger Unterricht statt. Natürlich wird auch gebastelt und gespielt, aber es geht hauptsächlich darum, dass die Kinder schon einmal die Zahlen und ein paar Buchstaben kennenlernen. Meine Aufgabe im Kindergarten ist, den Kindern zu helfen, etwas vorzumachen oder mit ihnen zu spielen. Am liebsten spielen sie Fangen, zu meinem Leidwesen. Aber ich tue es gerne, und es macht mir richtig Spaß, mich mit ihnen zu beschäftigen.

Youth for Peace Camp

Vom 17. bis zum 28. November fand hier in Saltiga das “Youth for Peace Camp” statt, welches die VEM (Vereinte Evangelische Mission) jährlich verantstaltet. Dort treffen sich Jugendliche aus Deutschland und Asien (aus VEM-Partner-Kirchen), um über Konflikte in ihren Ländern, in der Welt, politisch oder zwischen Religionen zu sprechen und sich mit dem großen Thema Frieden  auseinanderzusetzen. In diesem Jahr kamen 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Indonesien, Sri Lank, Phillipinen und Deutschland, sowohl Christen als auch Muslime.
Jeder Tag war sehr interressant, auch wenn manche Einheiten langweilig erschienen. Doch man merkte einfach, wie konzentriert alle bei der Sache waren und sich wirklich mit dem Thema Frieden auseinandersetzten, vor allem zwischen anderen Kulturkreisen, auch innerhalb eines Landes. Es enstanden viele sehr interessante Gespräche, weil es selten vorkommt, das Jugendliche von so vielen verschieden Ländern und Religionen an einem Tisch sitzen und befreit reden können.Wir waren jedoch nicht immer in unserem Tagungshaus, sondern hatten auch kürzere oder längere Ausflüge zu nahe gelegenen Zielen. Zum Beispiel haben wir an einem Tag eine Moschee besucht und uns dort mit den Muslimen unterhalten. An einem anderen Tag besuchten wir eine buddistische Gemeinde und taucthen dort ein wenig in deren Kultur ein. Wir übernachteten dort auf dem Gemeindegelände und visitierten auch eine längere Meditations- und Gebetsstunde.Im Nachhinein erzählten sie uns, dass sie eigentlich immer nur so 5-10 Minuten meditieren, aber für uns haben sie es eine halbe Stunde gemacht. Und eine halbe Stunde im Schneidersitz zu sitzen ist für Ungeübte eigentlich unmöglich!Das Highlight des "Camps" (warum es Camp heißt, weiß keiner. Wir haben in einem Gästehaus in richtigen Betten geschlafen :D :D) war ein Tagesausflug zum Borobudur, dem größten freistehenden buddistischen Tempel der Welt und nach Yogakarta, der Stadt mit den besten Batik-Stoffen der Welt.

Weihnachten steht vor der Tür

Weihnachten wird hier ein wenig anders werden, als ich es aus Deutschland gewöhnt bin. Es ist einfach alles anders. Trotzdem komme ich ein wenig in Weihnachtsstimmung. Es ist zwar immer noch so um die 30 Grad, aber an Weihnachten soll es bis auf 20 Grad runterkühlen, also knapp oberhalb der Schneefallgrenze. Aber hier braucht man keinen Schnee und keinen Weihnachtsmarkt, um Weihnachtsstimmung zu erzeugen.Ich war zum Beispiel letztens auf einer Weihnachtsfeier. Ich  empfand es nicht wirklich weihnachtlich, bis das Licht ausgemacht wurde und wir "Stille Nacht, heilige Nacht” gesungen haben. Natürlich auf Indonesich, aber ich konnte gut auf Deutsch mitsingen. Dazu wurden Kerzen entzündet, und ich fühlte das erste Mal Weihnachten.Wie dann das eigentliche Weihnachtsfest sein wird, könnt ihr entweder in meinem Blog oder im nächsten Rundbrief lesen, aber ich denke es wird doch weihnachtlicher und schöner als ich es mir bisher vorstellen kann. 

Liebe Grüße

Jannes Görler

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Kommentare

  1. 1. Markus  |  16 Dezember 2014, 15:02

    Hallo Jannes,
    schön von dir zu hören - klingt ja alles sehr interessant - wünsche dir alles Gute weiterhin.

 

 

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